Martin Kurtz
Martin Kurtz

Schadenspositionen nach einem Verkehrsunfall

Sie haben einen Verkehrsunfall erlitten, den ein anderer verschuldet hat? Sie sollten wissen, welche Rechte Sie haben. Anbei finden Sie eine kurze - nicht abschließende - Aufzählung der typischerweise entstehenden Schadenspositionen.

 

1. Reparaturkosten

In erster Linie muss der Gegner oder dessen Versicherung Ihnen natürlich den Reparaturschaden ersetzen. Das ist der Schaden, der konkret an Ihrem Fahrzeug entstanden ist. Berechnet wird dieser anhand der Kosten, die eine Reparatur verursacht. Es ist zu unterscheiden nach fiktiver Abrechnung auf Gutachtenbasis und Abrechnung nach erfolgter Reparatur.

Nachdem Sie ein Gutachten durch einen Sachverständigen erstellt haben können Sie entscheiden, ob Sie ihr Fahrzeug in einer Werkstatt reparieren lassen und bei der gegnerischen Versicherung die Reparaturrechnung einreichen oder ob Sie den Betrag, den der Sachverständige als (voraussichtliche) Reparaturkosten zu Grunde gelegt hat, im Wege der fiktiven Abrechnung bei der Versicherung geltend machen. In diesem Fall wird Ihnen allerdings nicht der Betrag ersetzt, der auf die Mehrwertsteuer entfällt. Darüber hinaus wird es sich in der Praxis nicht immer vermeiden lassen, dass die Versicherung ihre Regulierungsleistung in Bezug auf einzelne im Gutachten aufgeführte Positionen kürzt.

2. Für den Fall eines Totalschadens ...

... ersetzt Ihnen die Versicherung den vom Sachverständigen festgestellten Wiederbeschaffungsaufwand. Das ist die Differenz aus dem Wiederbeschaffungswert, also dem Wert eines vergleichbaren Fahrzeugs im unfallfreien Zustand, sowie dem sog. Restwert des totalbeschädigten Fahrzeuges. Dieser Restwert verbleibt in Ihrem Vermögen. Sie können sich dazu entscheiden, diesen Restwert dadurch zu erlösen, indem Sie das Fahrzeug an einen Restwertaufkäufer verkaufen.

3. Kosten des Sachverständigen

Sobald der Schaden an Ihrem Fahrzeug mehr als nur ein Bagatellschaden ist (Grenze ca. 750 €), haben Sie einen Anspruch auf Ersatz der Kosten, die Ihnen durch die Beauftragung eines Sachverständigen entstanden sind.

4. Nutzungsausfallentschädigung / Mietwagen

Im Regelfall (private Nutzung des Fahrzeugs, kein Ersatzfahrzeug verfügbar, u.ä.) haben Sie Anspruch auf Zahlung einer Nutzungsausfallenschädigung. Damit soll kompensiert werden, dass Sie für den Zeitraum der Reparatur oder für den Zeitraum bis zur Neubeschaffung eines Ersatzfahrzeuges im Totalschadenfall ihr Fahrzeug nicht nutzen konnten. Wahlweise können Sie auch die Kosten für die Nutzung eines Mietwagens geltend machen. Hierbei kommt es jedoch immer wieder zu Problemen bei der Durchsetzung der Ansprüche. Häufig sträuben sich Versicherungen, den vollen Nutzungsausfallschaden zu regulieren bzw. alle Kosten eines Mietwagens zu übernehmen und verweisen Unfallgeschädigte auf preiswertere Mietwagenangebote oder niedrigere Tagessätze. Zur Durchsetzung aller Ihrer Ansprüche sollten Sie nicht auf die Hilfe Ihres Anwalts verzichten.

5. Wertminderung

Die merkantile Wertminderung ist eine ebenfalls vom Sachverständigen errechnete Größe, die einen trotz ordnungsgemäßer Reparatur verbleibenden Minderwert am Fahrzeug berücksichtigt, welcher sich im Falle eines Verkaufes als Unfallfahrzeug ergeben würde.

6. Zinsen

Die eintretende Wertminderung ist ab dem Tag der Unfalles gemäß § 849 BGB zu verzinsen. Dies führt bei ausnahmsweise langen Regulierungszeiten zu einem merklichen Mehr im Geldbeutel des Geschädigten.

7. Finanzierungsschaden

Sollten Sie im Totalschadenfall zur Ersatzbeschaffung eines Fahrzeuges dazu gezwungen sein, ein Darlehen aufzunehmen, so sind die dabei entstehenden Zinsen als sog. Finanzierungschaden ebenfalls zu ersetzen.

8. Schmerzensgeld

Schon vergleichsweise harmlose Unfälle führen häufig zu Verletzungen der Insassen. Bei Auffahrunfällen erleiden die Insassen häufig das sog. Peitschenschlagsyndrom, also eine Verletzung an der Halswirbelsäule. Lassen Sie sich unbedingt von Ihrem Anwalt dahingehend beraten, wie dieser Umstand in Form eines Schmerzensgeldes geltend gemacht werden kann.

9. Last but not least: Die Gebühren Ihres Anwalts

Verkehrsunfallrecht ist eine komplexe rechtliche Materie, bei der sich üblicherweise der Verbraucher bzw. Unfallgeschädigte dem schier übermächtigen Haftpflichtversicherer des Gegners gegenüber sieht. Auch wenn dieser zum Teil freundlich und zuvorkommend auftritt, ist es das ureigenste Interesse der Versicherung so wenig wie möglich zu zahlen. Dies führt in den meisten Fällen dazu, dass der Unfallgeschädigte nicht alle seine Ansprüche gegenüber dem Versicherer durchsetzen kann.

Aus diesem Grund hat die Rechtsprechung dem Unfallgeschädigten zugebilligt, dass dieser unmittelbar und auf Kosten des Gegners einen Anwalt mit der Durchsetzung beauftragen darf.

Von diesem Recht sollten Sie unbedingt Gebrauch machen - andernfalls laufen Sie Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden.

 

Wir beraten Sie gern umfassend in Ihrer Verkehrsunfallangelegenheit!

 

Ihr Team von Kurtz & Lynen

 

 

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